Neue Sachlichkeit

   
 


 

 

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Neue Sachlichkeit.
 
-         Beschreibt eine in allen Bereichen der Kultur auftretende Strömung, z. B. auch eine Kunst- und Literaturrichtung in der Zeit der Weimarer Republik (1918 – 1933).
-         Ist ein Teil der Moderne-Bewegung des 20. Jahrhunderts und definiert sich selbst als eine der Publizistik angenäherte Gebrauchsliteratur. Eine zentrale Kategorie war die der Beobachtung.
-         Wichtigste Formen der neusachlichen Literatur waren die Publizistik und der Roman.
 
à                Neusachliche Literatur entfaltete sich in der Auseinandersetzung mit den Prozessen der Industrialisierung und Urbanisierung und nahm auf den Naturalismus Bezug.
à      Der Begriff der Neuen Sachlichkeit hat seinen Ursprung besonders im Lebensgefühl in den großen Städten, die sich seit Anfang des Jahrhunderts entwickelt hatten. Das künstlerische Bewusstsein dieser Zeit prägte eine neue Wirklichkeit der Wirtschaft, Technik und Gesellschaft.
à      Die Neusachliche Literatur hat konsequent auf die Gebrauchskunst für viele hingearbeitet. Sie umfasste nicht nur neue Schreibtechniken, sondern es ging vielmehr um eine Literatur und Kunst, die den gesellschaftspolitischen Verhältnissen entsprach.
à      Autoren reagierten auf die Entstehung einer modernen Massenzivilisation sowie auf die bis dahin einzigartige Politisierung und zugleich Radikalisierung.
à      Im Unterschied zu anderen literarischen Strömungen ist die neue Sachlichkeit nicht mit literarischen Gruppen verbunden, das macht die Zuordnung von Autoren schwierig.



à      Sachlichkeit bedeutete:
-         Sachliches, realitätsbezogenes Schreiben,
-         Nüchternes und emotionsloses Erzählen,
-         Verzicht auf Pathos, Dekoratives und Ornamentales,
-         Präzision,
-         Fakten orientierende Darstellung, Konzentration auf „Tatbestände“,
-         Akzeptanz der Macht der Dinge, Sachen und Situationen,
-         Objektivität durch Beobachtung,
-         Ablehnung von „falschem“ Poetisieren,
-         Die Sache ganz aus sich heraus zu verstehen und bis zur letzten 
Konsequenz darstellen zu wollen.
 
 
Das neue Lebensgefühl
Neu war die unvergleichbare Politisierung der Öffentlichkeit. Viele Menschen in der Großstadt bewegten sich durch den Arbeitsrhythmus in Strömen durch die Stadt. Die Zeit der Massenmedien beginnt und bringt Zeitungen, Radio, Schallplatten und Kino. Das Theater bekommt Konkurrenz.
à                Kulturmarkt wurde international und kommerziell.
à                Sportwettkämpfe waren riesige Spektakel vor großem Publikum.
à                Durch Elektrifizierung und Mechanisierung der Großstadt veränderte sich das Zeitgefühl der Bewohner erheblich.
à                Mit dem neuen Lebensgefühl veränderte sich auch die Sprache im Alltag.
 
Die neue sachliche Literatur beobachtete das Verhalten des Einzelnen in der Masse und die Zwänge, denen er ausgesetzt war und in denen er sich bewegen musste. Sie machte Verhaltensangebote.
Mit dem Ende der Weimarer Republik endete die Neue Sachlichkeit als dominante kulturelle und literarische Strömung. Es gingen von ihr wichtige Impulse für gesamte kulturelle leben aus. Sie hatte dazu beigetragen, Kunst und Kultur für ein breites Publikum zu öffnen.
 
Die Dominanz des Romans und der Reportage
Im Unterschied zum Naturalismus dominierte vor allem der Roman. Die Neusachliche Literatur hat viele Anregungen von englischsprachigen, vor allem amerikanischen sowie von französischen Autoren bekommen.
à                Roman profitiert von der „episierenden Ausstrahlung des Films“, diese Nähe versprach hohe Auflagen.
à                Zweite wirkungsvolle Kraft ist die Berichterstattung in der Presse, mit Bedacht wurde zur Kennzeichnung der sachlichen Romane der begriff „Bericht“ verwendet. Sammlungen von Pressetexten erschienen in Buchform.
Viele Autoren haben sich auf beiden Gebieten betätigt wie Ludwig Renn, Erich Maria Remarque und Erich Kästner. Bekannte Vertreter des Gegenwartsromans waren Hans Fallada, Lion Feuchtwanger, Siegfried Kracauer, Vicky Baum.
 
Episches Theater und Lehrstücke
Das Lehrstück ist eine dramatische Form der Parabel, die einen Grundkonflikt in der Reduktion auf das Wesentliche zeigt.
 
à      Bertold Brecht arbeitete 1929 mit dem Typ des Lehrstücks. Mit Hilfe der Dialektik sollten diese Stücke zu einem Ort des Trainings für politisches Denken werden. Brechts Ziel war es, eine neue Zuschau-Kunst und damit ein neues Verhältnis zwischen Spieler und Zuschauer zu entwickeln. Brecht experimentierte außerdem mit der Form der Oper, mit Formen der Agit-Prop-Kunst und in seinen Arbeiten für das neue Medium Radio.
à      Brechts Idee des epischen Theaters war offen für verschiedenste Techniken und Kunstmittel. Dabei war seine Methode der Verfremdung eine der umstrittensten zu seinen Lebzeiten.
 
à      Brecht gilt als einer der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts. „Schüler“ waren u. a. Manfred Wekwerth, Benno Besson, Heiner Müller, Heinz Kahlau und Adolf Dresen.